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Meine Sprachreise nach Plymouth, England

(Vom  03.07. – 16.07. 2006)

 

 

Vor einem Jahr hätte mir jemand erzählen können, dass ich in den diesjährigen Sommerferien eine Sprachreise nach England antreten dürfte. Ich hätte ihm wohl kaum geglaubt, aber im Juni sah das schon ganz anders aus.

Es galt, auf die Schnelle einen Kurs in England zu finden, in dem noch ein Platz frei war. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellte. Am sympathischsten war mir gleich zu Beginn die Organisation EF (Education First), die Sprachkurse in Städten wie London, Oxford Winchester oder auch Brighton anbietet. Letzteres war das Reiseziel, das mir vorschwebte. Eine EF-Mitarbeiterin musste mir diesbezüglich jedoch einen Strich durch die Rechnung machen: In Brighton war also bereits alles restlos ausgebucht. Schließlich fragte sie mich: „Möchtest du nicht vielleicht nach Plymouth fliegen?“ Von dieser Stadt hatte ich noch nie zuvor gehört (und mit der Aussprache ihres Namens hatte ich anfangs so meine Schwierigkeiten.). Die Frau nannte mir die Seite im Prospekt, auf der Plymouth beschrieben war. Ich hatte sie trotz meines Eifers, den Katalog möglichst gründlich zu studieren, vollkommen übersehen und dachte, dass jener Ort möglicherweise nicht der schönste für eine Sprachreise sein könnte, zumal mir der Name nichts sagte und es weit entfernt von großen Städten wie London und Brighton liegt. Ein Irrtum, wie sich später herausstellen sollte.

 

 

 

Am Tag der Abreise war ich natürlich furchtbar aufgeregt.  Immerhin war ich im Begriff, in ein fremdes Land zu fahren mit ausschließlich fremden Leuten in eine ebenso unbekannte Gastfamilie. Die nächsten zwei Wochen lagen für mich im Bereich des Ungewissen. Ich hatte keine Ahnung, was mich in England erwarten würde.

Ich bin kein sonderlich flugerfahrener Mensch. Zwar war der Flug nach London, Heathrow (von wo aus wir per Bus nach Plymouth gelangen sollten) nicht mein erster, jedoch fühlte ich mich keineswegs wohl, als ich vor der Absperrung am Gate wartete. Dort erwartete mich auch der erste Schrecken. Ich stellte mein Handgepäck auf das Laufband, genau wie all die Menschen, die vor mir in einer langen Schlange standen. Während ich nun am anderen Ende darauf wartete, dass meine inzwischen durchleuchtete Tasche wieder zum Vorschein kam, bat ein Mann vom Wachpersonal mich plötzlich zur Seite. Nervös wie ich war, stieg natürlich sofort Panik in mir auf. „Haben Sie einen spitzen Gegenstand in Ihrem Gepäck?“, war die erste Frage des Mannes. Ich war mir nicht bewusst, spitze oder scharfe Gegenstände oder überhaupt irgendeine Waffe mit mir zu führen. „Vielleicht eine Schere?“ Wollte der Herr weiter wissen. Da kam mir die Erkenntnis: Eine Schere war in meinem Federmäppchen. Ich hatte sie vollkommen vergessen. Erleichtert entsorgte ich die Schere in einer Art „Waffenmülleimer“, nahm mein Handgepäck endlich entgegen und machte mich auf den Weg zum Warteraum. Dem Flug stand nun nichts mehr im Wege.

 

Am Zielort meiner Reise angekommen, hatte ich am Flughafen bereits ein paar Mädchen kennen gelernt, mit denen ich mich auf Anhieb gut verstanden hatte. Sie kamen aus Berlin, Münster, Mühlheim, Köln und Frankfurt.

Wir stellten schnell fest, dass Plymouth eine ganz besondere Stadt ist.

Aus mancher Perspektive betrachtet, ist es eine beeindruckende Großstadt mit riesigen Gebäuden und einer sehr weitläufigen Shopping Meile. Begibt man sich jedoch in die Nähe des Hafens, so fühlt man sich eher wie in einer malerischen Kleinstadt: Segelbote, alte Häuschen und traditionelle Lädchen säumen die mit Kopfsteinpflaster ausgelegten Gassen. Natürlich trägt hier auch das nahe Meer zu der ruhigen Atmosphäre bei.

 

Am Abend unserer Ankunft wartete das nächste aufregende Ereignis auf mich. Im Bus verabschiedete ich mich von meinen neuen Freunden und trat hinaus, um meine Gastmutter zu treffen: Teresa King entpuppte sich als fröhliche, humorvolle Mutter zweier Kinder, die mich freundlich aufnahm und mich gleich im Auto in ein langes Gespräch verwickelte. Dies war zwar nach ca. 11 Stunden Reise sehr anstrengend, machte aber dennoch Spaß, denn genau das war der Grund für meinen Wunsch, eine Sprachreise zu machen: Die Möglichkeit, die Sprache endlich einmal anwenden zu können. Dies funktionierte auf Anhieb besser, als ich erwartet hatte. Ich verstand fast alles von dem, was Teresa mir erzählte und es viel mir nicht mehr schwer, darauf einzugehen, nachdem erste Hemmungen überwunden waren. Es stellte sich heraus, dass die Kings nicht direkt in Plymouth, sondern in Plympton, einem Vorort, wohnen. So erklärte mir Marc, der Familienvater, nachdem ich von den etwas chaotischen Kindern Cameron (5) und Thomas (2) begrüßt worden war, dass ich morgens um viertel nach sieben einen Bus an einer Haltestelle in der Nähe des kleinen Familienhauses der Kings nehmen müsste, um dann im „City Centre“ einmal umzusteigen und schließlich um neun das „PCFE Plymouth College of Further Education“ zu erreichen. Diese unerwartete Entfernung zur Schule, der unübersichtliche Busplan, auf dem ich mich würde zurechtfinden müssen, die vielen neuen Eindrücke und die Müdigkeit überwältigten mich an diesem Abend zugegebenermaßen. Als ich schließlich endlich in meinem Bett lag,  hatte ich für einen kurzen Moment Heimweh (Ich möchte aber an dieser Stelle vorwegnehmen, das mir hiernach in den zwei Wochen nie wieder ein trübsinniger Gedanke an Zu Hause zu schaffen gemacht hat!).

Der nächste Morgen verlief für mich eher ruhig, denn an diesem Tag würden mich meine Gasteltern ein einziges Mal zur Schule bringen. Ich stellte schnell fest, dass Plympton nur ein kleiner grüner Hügel mit einer Ansammlung von Legoland-ähnlichen Familienhäusern war. Der kleine Ort gefiel mir trotzdem auf Anhieb. Wir fuhren mit dem Auto ungefähr eine halbe Stunde bis zum College, das am anderen Ende der Stadt Plymouth lag. Abends jedoch, würde ich versuchen müssen, allein mit dem Bus nach Hause zu kommen.

 

Der Unterricht am ersten Tag beschränkte sich auf einen Einstufungstest und erste grammatikalische Übungen. Ich lernte meine beiden Lehrer kennen, welche gleichzeitig unsere Betreuer sein sollten. Ein junger Mann namens Carlton, würde den halben Schultag frei mit uns sprechen: Hierzu gehörte es zum Beispiel, Diskussionsrunden zu bilden, über unsere Person zu erzählen und uns so unseren neuen Klassenkameraden vorzustellen und außerdem um alles, was uns dazu brachte, uns auf Englisch auszudrücken. Da Carlton selbst als Amerikaner ausschließlich Englisch sprach und immer nett und verständnisvoll war, war dies eine sehr gute Regelung.

Die zweite Hälfte des Tages würden wir bei unserer deutschen Betreuerin, Sandra, Unterricht haben. Mit ihr galt es, Grammatikschwächen aufzuarbeiten, die in den deutschen Lehrplänen oft vernachlässigt werden, wie zum Beispiel die indirekte Rede.

Der erste Tag verging wie im Flug: Gegen zwei Uhr war der Unterricht beendet und wir gingen mit der ganzen Gruppe in die Innenstadt, um diese kennen zu lernen und zu besichtigen. Zu meiner Freude entdeckten wir im „City Centre“ einen Disney Store. Ich gebe zu, dass ich immer, von Kindesbeinen an, eine Schwäche für alte Disney-Filme hatte. Doch auch an „Fluch der Karibik“-Artikeln mangelte es hier keineswegs. Ich stellte sogar fest, dass eines der Mädchen, die ich auf der Reise bereits kennen gelernt hatte besagte Schwäche mit mir teilte. Nachdem die Geschäfte alle erkundet waren, gingen wir in den Hafen um erstmals Seeluft zu schnuppern. Es war ein gelungener Tag geworden, jedoch stand ich noch vor einer Schwierigkeit: Ich musste versuchen, mit dem Bus zurück nach Plympton zu kommen. Keiner der anderen Schüler wollte in diese Richtung fahren. So war ich auf mich gestellt. Zuerst dachte ich wirklich, ich würde wohl im Disney- Store oder im Hafen übernachten müssen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Busfahrer in England um einiges höflicher und hilfsbereiter als die in Deutschland sind. Aus diesem Grund konnte ich mich problemlos durchfragen. Sobald man in einen Bus einstieg, wurde man auch schon freundlich vom Fahrer begrüßt (eine Erfahrung, die einem bei der Nutzung deutscher Verkehrsmittel meistens vorenthalten wird). Weiter verwickelten die Busfahrer mich des öfteren, wenn die Busse nicht allzu voll waren, in ein Gespräch, in dem sie mich fragten, wie es mir in Plymouth gefalle und wie lange ich noch zu bleiben gedenke. Kurz und gut, ich erreichte pünktlich zum Abendessen das Haus meiner Gastfamilie.

 

Auch in den nächsten Tagen sorgte die Höflichkeit der Einwohner für eine Atmosphäre im Alltag, die man sich, denke ich, nur schwerlich vorstellen kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat. Schon morgens um viertel nach sieben wurde ich (obwohl ich zugegebener Maßen ein Morgenmuffel bin), durch das freundliche Verhalten und die hilfreichen Auskünfte des Fahrers und der Insassen bei Laune gehalten. Mir fiel bald auf, dass alle Menschen sich beim Busfahrer für die gute Fahrt bedankten und sich verabschiedeten, bevor sie den Bus verließen.    Und suchte ich einmal beim Einstieg in den Bus etwas länger nach meinem Kleingeld, so wurden die übrigen Passagiere nicht etwa ungeduldig oder genervt, viel mehr kamen gleich sechs Frauen nach vorne gerannt, sprachen mich mit „Sweetheart“ an und fragten, ob es mir an Kleingeld fehlen würde und sie mir vielleicht aushelfen könnten.

 

In meiner Gastfamilie gab es jeden Tag noch eine Menge zu unternehmen. Außerdem kam am ersten Abend eine Französin in meinem Alter an, die bei mir im Zimmer wohnen sollte und am zweiten Abend sogar eine Italienerin. Beide sprachen merkwürdigerweise fast kein Englisch. Für Pauline, das Mädchen aus Frankreich, konnte ich die Sätze, die die Kings sagten, in einigen Fällen ins Französische übersetzen und umgekehrt, der Familie beschreiben, was Pauline antwortete. In Veronikas Fall war dies schon komplizierter, zumal mein italienischer Wortschatz sich fast ausschließlich auf das Wort „Ciao“ beschränkt. Ich muss allerdings auch sagen, dass Veronika so deutlich bemühter war, sich auf Englisch auszudrücken und oft versuchte, ein Gespräch zu beginnen.

War ich des Abends wieder zu Hause, so drängte mich der kleine Cameron jedes Mal, mit ihm in den nahen Park zu gehen, um „Hide and seek“ zu spielen. Das Abendessen war immer eine sehr lustige Angelegenheit: Zwei Erwachsene, zwei kleine Kinder, zwei Jugendliche, die fast gar kein Englisch verstanden und eine Jugendliche, die, wenn auch etwas mehr als die anderen, aber dennoch längst nicht alles verstand. In solchen Fällen konnte der fünfjährige Cameron mir meistens am besten aushelfen, da Kinder sich eines etwas einfacheren Wortschatzes bedienen und – im Notfall – auch eine sehr verständliche Zeichensprache anwenden können. Cameron war in solch einer Situation auch immer mit Leib, Seele und Hilfsbereitschaft bei der Sache.

Das einzige, das auf der Sprachreise sehr gewöhnungsbedürftig war, war das Essen. Morgens ähnelte es überwiegend unserem Essen, jedoch bestand das Lunchpaket, das eigentlich für den ganzen Tag reichen sollte, bei mir und auch all meinen Klassenkameraden immer aus einer Schnitte weichem Weißbrot, welche mit ca. sechs Kilo Butter bestrichen war und einer Flasche stillen Wassers, das stärker als ein Schwimmbad nach Chlor roch und auch dementsprechend schmeckte.  Natürlich beschwerte sich keiner von uns bei seiner Gastmutter, zumal diese sich die Mühe machte, uns ein Paket zusammenzustellen und man in England als Einwohner offenbar an Mittagessen dieser Art gewöhnt war. Wenigstens lernten meine Freundinnen und ich auf diese Weise die typische Atmosphäre in einer englischen Schulkantine kennen.

 

Jeden Nachmittag nach dem Unterricht warteten spannende Ausflüge auf uns. Ob wir nun im National Aquarium direkt im Hafen in Plymouth waren und die vielfältige Sammlung der Meeresbewohner dort bewunderten, im nahen Exeter auf Besichtigungs- und Shoppingtour gingen, oder das wirklich unglaublich schöne Dart Moor erkundeten: Es wurde niemals langweilig.

 

 

 

 

An dem Sonntag, an dem das Endspiel der Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, fuhren Italiener, Franzosen und wir Deutsche, die wir alle mit EF in Plymouth waren und auch alle im selben College Unterricht hatten, gemeinsam nach Torquay, einer beeindruckenden Stadt, in der wir zunächst den KeyWest-Waterpark besuchten und uns später in einer Discothek namens „Route 66“ einfanden, welche an diesem Abend nur für Schüler von EF aus Spanien, Italien, Frankreich, Russland und Deutschland gemietet war. Hier würden wir das Endspiel alle gemeinsam anschauen. Es gab natürlich ein großes Geschrei: Mal bestand es aus wild durcheinander geschrienen Sprechchören und mal aus wilden Anfeuerungsrufen. Leider waren die Deutschen zu diesem Zeitpunkt ja schon ausgeschieden, jedoch hatten wir auch Spaß daran, Frankreich anzufeuern, obwohl ja auch diese Hoffnung schließlich zunichte gemacht wurde.

Am Abend des 06. 07. 06 besuchten wir die Premiere von „Pirates Of The Caribbean 2“, was bedeutete dass ich den Film früher kennen lernte als all meine Freunde in Krefeld, da er hier in Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch nicht angelaufen war. Zu meiner positiven Überraschung, verstand ich den Film fast vollständig. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich in den Tagen zuvor schon viele englische Filme und Dokumentationen mit meinen Gasteltern zusammen gesehen hatte und auch die letzten Deutschland-Spiele mit meinem Gastvater geguckt hatte, während derer wir damit beschäftigt waren, über die deutsche Mannschaft zu diskutieren, über die er viel mehr wusste als ich selbst (Ich schaue mir normalerweise kein Fußball an, aber das WM-Fieber ist dieses Jahr auch an mir nicht vorbeigezogen.).

Jede schöne Zeit geht ja bekanntlich einmal vorbei. So auch meine in Plymouth. Am letzten Abend fuhren wir Schüler zum Abschluss mit Sandra und Carlton Power Boat und verabschiedeten uns schließlich schweren Herzens von dem schönen Hafen und dem bekannten Leuchtturm, dem „Plymouth Hoe“. Am nächsten Morgen würden wir von unseren Gasteltern bereits um halb sechs in der Früh zum Bus gebracht werden.

 

Der traurige Abschied von Plymouth und meiner Gastfamilie war jedoch noch längst nicht das Ende der Reise. Noch würde der Kurs ja drei Tage in einem Hotel in London wohnen. Natürlich wurden wir wieder von Sandra und Carlton begleitet.

Sieben Stunden brauchten wir, um London zu erreichen. Ich war noch nie dort gewesen. Weitere 60 Minuten dauerte es, bis wir endlich vor unserem Hotel standen. Es war eine kleine Frühstückspension, deren schönes Äußeres leider gar nicht zu seiner Umgebung passte. Es war ein etwas schmuddelig wirkendes Viertel. Das störte uns natürlich nicht weiter, zumal wir dort nur die Nächte verbringen würden.

 

Nachdem ich nun zwei Wochen im ruhigen und gemütlichen Plymouth verbracht hatte und wir nun an einem Tag in London eintrafen, an dem es unglaublich heiß war, überrumpelten mich die Geschäftigkeit der Leute, das rücksichtslose Großstadtverhalten und die Menge der Menschen auf den Straßen ein wenig. Mein erster Gedanke war, dass diese Stadt mir nicht so recht gefallen wollte und ich verstand nicht, warum ich schon so viele Leute von ihr hatte schwärmen hören. Diese

Ansichten schlugen jedoch ins Gegenteil um, als der nächste Tag anbrach.

 

An diesem Samstag würde ich zusammen mit den Mädchen, die ich bereits auf dem Hinflug kennen gelernt hatte, London erkunden. Es war außerdem geplant, sich zu vier verschiedenen Tageszeiten jeweils mit den Betreuern zu treffen, um  mit dem ganzen Kurs gemeinsam ein paar Attraktionen wahrzunehmen, die da waren der „London Dungeon“, Das „Madame Tussaud’s“ - Wachsfgurenkabinett, das „London Eye“ und außerdem auch ein kleines italienisches Restaurant am Covent Garden.

 

Der Tag begann sofort mit dem Besuch des „London Dungeon“. Dieser stellte sich als eine Art Gruselkabinett heraus, das jedoch auf wahren Begebenheiten aufbaut, zumal es im ehemaligen Gefängnis Londons errichtet ist. Es vermittelte mir einen schaurigen Einblick in das Gefängnisleben (bzw. –sterben) von früher. Zwei Stunden wird man dort durch die Gänge geführt und gegruselt. Es gab sowohl schlimm zugerichtete Plastikpuppen, wie auch schaurig verkleidete Schauspieler zu sehen, die einem hinter jeder Ecke auflauerten. Man wurde nacheinander in verschiedene Themenbereiche eingeführt, ebenfalls von sehr echt aussehenden Untoten. So gab es beispielsweise eine Folterkammer, die Geschichte von Jack The Ripper, einen Gerichtssaal, die Historie der Pest in London oder auch ein Spiegelkabinett.

 

Es wurden die grausamsten Episoden der Geschichte Englands vom Mittelalter bis zum 17. Jh. vorgeführt. Kurzum war der London Dungeon also eine gelungene Mischung aus düsterem, bedrückendem Museum und schauriger, unterhaltender Geisterbahn. Allerdings ein Gruselmuseum, wie man es vorher sicher noch nicht betreten hat.

 

Nach diesem ersten, begeisternden Erlebnis gingen meine Freundinnen und ich auf eine Aussichtsplattform, von der aus wir in der wunderschönen Mittagssonne den Anblick der Tower Bridge und des Towers of London genossen.

Lange Zeit zu verharren ließen wir uns natürlich nicht. Schließlich galt es, an diesem Tag möglichst viel von jener Stadt zu sehen, die mich zu diesem Zeitpunkt übrigens doch schon völlig in ihren Bann gezogen hatte.

 

 

Als nächstes nahmen wir die U-Bahn Richtung Baker Street. Dort würden wir Sandra, Carlton und die anderen Schüler wieder treffen, um gemeinsam mit ihnen zu Madame Tussaud’s zu gehen. Unterwegs ließen wir es uns nicht nehmen, den Bahnhof King’s Cross, der in so vielen Büchern und Filmen auftaucht, zu besichtigen.

   

Er entpuppte sich jedoch weitgehend als ein ganz gewöhnlicher Bahnhof, der eben nur ein wenig größer und älter ist als andere. Auf das Wachsfigurenkabinett war ich natürlich gespannt. Es hielt auch durchaus, was sein guter Ruf verspricht. Wir machten uns einen Spaß daraus, uns mit Berühmtheiten wie Johnny Depp, Orlando Bloom, Whoopi Goldberg oder auch William Shakespeare zu fotografieren.

 

Ein Tag in London vergeht wie im Fluge. Das war etwas, das wir sehr schnell feststellten. Nachdem wir die Baker Street noch ein wenig unter die Lupe genommen hatten, nahmen wir erneut die U-Bahn, jedoch diesmal, um dem Buckingham Palace einen Besuch abzustatten. Wir schlenderten durch den Green Park hindurch Richtung Palast. Hinter den Gebäuden tauchte er auf: Beeindruckend und wunderschön, wie er meiner Meinung nach ist.

 
 

Der „Union Jack“ war gehisst, was darauf hindeutete, dass die Queen anwesend war.

Zum Tee bat sie uns allerdings leider nicht. Eine ganze Zeit verbrachten wir auf dem Platz, bevor wir uns auf den Weg zum Covent Garden machten. Dort aßen wir in einem kleinen italienischen Restaurant in einer Gasse voller Gaukler und Künstler zu Abend, um dann den letzten Weg zum London Eye anzutreten. Im 200m hohen Riesenrad, in dem mein Kurs eine eigene Gondel einnahm, bekamen es drei Leute mit der Höhenangst zu tun: Carlton, unser Betreuer, eine andere Schülerin und ich. Aber das konnte nicht den schönen Anblick verderben, der sich uns bot: Ganz London ins Licht des Sonnenuntergangs getaucht, unter strahlend blauem Himmel. Vom roten Sonnenlicht angestrahlt, lag Westminster Abbey genau vor uns. Diese Erfahrung werde ich nicht so schnell wieder vergessen.

Der Tag war vorbei. Es war spät, die Füße schmerzten und wir alle waren zufrieden mit unserem Ausflug. Das war also London. Es hatte mich wirklich begeistert, genau wie die Sprachreise nach England, die sich nun dem Ende zuneigte. Es ist wahrscheinlich unmöglich, in diesem Bericht alles zu erzählen, was ich neues gelernt und gesehen habe.

 

von Valerie Knoop

 

 

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